Besonders erfreulich war die Nachricht aus Indien, dass die beim dortigen Besuch von Elmar Weber und Dr. Edris Wedi im letzten Oktober festgelegten Hilfsmaßnahmen in drei Härtefälle erfolgreich abgeschlossen sind. Die extrem arme Familie von Ajimon, die in einer fast dachlosen Ruine lebte, erhielt eine neue Wellblechhütte als Zuhause. Der Vater ist ein arbeitsloser, da herzkranker, Hilfsarbeiter. Zur Familie gehören neben seiner Frau noch vier Kinder und seine kranke Mutter. Mit dieser neuen Hütte haben sie zumindest eine menschwürdige Unterkunft und Schutz vor Regen und Kälte. Der beidseitig beinamputierter Boban, der mit seinem Bruder und dessen herzkrankem Sohn in einem ärmlichen Häuschen lebt, erhielt ein neues Dach. Ein Sturm hatte 2024 die Hälfte davon weggerissen. Boban, der immer fröhlich und zufrieden wirkt, lebt von den Hilfsmaßnahmen Samhathis und dem Verkauf von Losen der staatlichen Lotterie, maximal etwa drei Euro am Tag. Für Sameera, ein dreizehnjähriges Mädchen mit einem Gendefekt, konnte die richtige medizinische Behandlung organisiert werden, um ihre starke Wachstumsstörung zu überwinden. Dies mag noch 10 Jahre nötig sein. Regelmäßige Untersuchungen und ärztliche Überwachung verbunden mit den richtigen Medikamenten geben ihr die Chance auf ein „normales“ Leben. Leider ist die Familie durch Krankheiten anderer Mitglieder zusätzlich belastet. Auch hier greifen andere Hilfsprogramme von Samhathi.
Neues Dachv.l.n.r: Ortspfarrer, Familie von Ajimon, Mr. Robert, der Bauunternehmer, Father Jacob Paliath
Beinamputierter Boban mit Familie, Sameera mit Eltern und Dr. Edris Wedi, jeweils mit Samhathi-Mitarbeiterinnen
„Hilfe für Indien“, so heißt seit dreißig Jahren das Motto des Vereins Samhathi. 1995 wurde er von der Familie Flüeck aus Oberröhrenbach zusammen mit dem indischen Priester Jacob Paliath gegündet. Der Sitz des indischen Partnervereins ist im Dorf Mararikulam an der Malabarküste des Bundesstaats Kerala, nördlich der Stadt Alappuzha. Bei der Jahresversammlung des Vereins – die gleichzeitig eine kleine Jubiläumsfeier war – erinnerte der Vorsitzende Elmar Weber an die Entwicklungen und Projekte der vergangenen zwei Jahre und der Jahrzehnte davor. Von Anfang an ging es dem Verein Samhathi um das „self-empowerment“, die Unterstützung beim Erlangen eines selbstbestimmten Lebens (Hilfe zur Selbsthilfe). Zwei Wege hatten Priorität: die Organisation der Frauen durch Selbsthilfegruppen und die Bildungsarbeit bei Kindern und Jugendlichen. Hunderte von Selbsthilfegruppen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt, solidarisch Selbstvertrauen entwickelt, gemeinsam Kredite aufgenommen und teilweise kleine Geschäfte gegründet. Nun sind sie selbst in der Lage, unabhängig von Samhathi weiterzumachen. Viele hundert Mädchen und Jungen wurden durch verschiedene Förderprogramme befähigt, hohe Schulabschlüsse zu erlangen, gute Berufe zu ergreifen oder ein Studium zu beginnen. Das ehemalige Mädchenheim ist inzwischen ein modernes Bildungszentrum geworden. Neben Seminaren zur Studien- und Berufsfindung sowie Persönlichkeitsbildung finden dort die mehrmonatigen Sprachkurse in Englisch und Deutsch statt. In nur neun Monaten können die extrem fleißigen und motivierten jungen Studenten und Studentinnen die Prüfung zum Niveau B2 beim Goethe-Institut versuchen. Viele schaffen es sofort, andere in kostenfreien weiteren Versuchen. Fast alle wollen danach in Deutschland eine Ausbildung im Bereich Pflege machen, manche in der Gastronomie und in IT-Berufen. Über 200 von ihnen absolvieren schon eine Ausbildung erfolgreich. Im Moment sind 220 Studierende im Sprachkurs. Zwei junge Damen, die als Mädchen intensiv von Samhathi gefördert worden waren nahmen an der Versammlung teil. Bismi Siyadh arbeitet als gelernte Krankenschwester jetzt in einem Pflegeheim in Heilbronn. Sie ist auch für die Betreuung der jungen Azubis an ihren verschiedenen Einsatzorten verantwortlich. Anila Screenivasan machte gerade ihren Master in Elektrotechnik und Automation an der Hochschule Deggendorf. Nach einem Praktikumsjahr in Dietfurt sucht sie nun eine Anstellung bei einer Firma in Süddeutschland. Beide Frauen berichteten vom unschätzbaren Wert der Bildungsarbeit und Unterstützung durch Samhathi für ihren Lebens- und Berufsweg. In einer Video-Botschaft zum Jubiläum bedankten sich Father Jacob und einige der aktuellen Deutschstudenten für die anhaltende und motivierende Unterstützung durch den deutschen wie auch den österreichischen Partnerverein mit all ihren Paten und Sponsoren. Der Vorsitzende berichtete ausführlich von seinem mehrwöchigen Besuch in Kerala. Er besuchte dabei sehr viele Familien, die durch monatliche Spenden im Programm „My Indian Family“ unterstützt werden. Auch wenn die weltberühmte Marari Beach sehr nahe liegt, gibt es doch viele arme Familien, die nur mit Hilfe aus ihrer Not herauskommen. Seien es traditionelle Fischer, deren Fanggründe immer schlechter werden oder Familien, deren Ernährer durch Unfall, Tod oder Arbeitslosigkeit ausgefallen ist. Er konnte sich von der dringenden Notwendigkeit der Hilfe überzeugen. Von einigen positiven Entwicklungen konnte er auch berichten, da Familien nach Überbrückung der schweren Jahre nun gesicherte Einkünfte und gute Wohnungen haben. Per Videoschalte nahm Dr. Edris Wedi, Chefarzt an einer Klinik in Offenbach und Beirat des Vereins, an der Mitgliederversammlung teil. Auch er berichtete von seinen positiven Eindrücken im Bereich der Versorgung von etwa 300 chronisch Kranken. Anregungen von Seite der deutschen Ärzte seien insgesamt gut umgesetzt worden. Er beabsichtigt, Fortbildung des Personals in Kerala wie auch der Studenten durch Onlineangebote zu unterstützen. Dadurch sollen die jungen Azubis noch besser auf das Leben und die Berufsausbildung in Deutschland vorbereitet werden. Besonders erfreulich war die Nachricht, dass die im letzten Oktober festgelegten Hilfsmaßnahmen in drei Härtefälle erfolgreich abgeschlossen sind. Für einen beinamputierter Mann wurde das zusammengebrochene Hausdach in Stand gesetzt, eine extrem arme Familie, die in einer Ruine lebte, erhielt eine neue Wellblechhütte als Zuhause und ein Mädchen mit einem Gendefekt konnte die richtige medizinische Behandlung organisiert werden, um ihre Wachstumsstörung zu überwinden. Nach einem überzeugenden Finanzbericht durch Petra Hanrieder-Böld und der anschließenden Entlastung der Vorstandschaft wurden alle in ihre Posten (Vorsitzender: Elmar Weber, Stellvertreterin: Manuela Maierbeck, Schatzmeisterin: Petra Hanrieder-Böld, Schriftführerin: Maria Golsch-Weber)wiedergewählt. Zuletzt bedankte sich der Vorsitzende bei allen im Vorstand und Beirat für die geleistete engagierte ehrenamtliche Arbeit. Das Treffen hinterließ bei allen Teilnehmern viele motivierende Eindrücke für die zukünftige Arbeit.
Verabschiedung der jungen Inderinnen Bismi Siyadh und Anila Screenivasan
Vorstandschaft und Gäste (Bismi Siyadh und Anila Screenivasan, Walter Hofffmann / 3.von links)
Im August 2024 arbeiteten Luis Roth, Abiturientin vom Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg und Paul Alavi, Abiturient vom Hans-Carossa-Gymnsium in Landshut als Muttersprachler bei den Deutschkursen im Bildungszentrum von Samhathi in Mararikulam. Elmar Weber, nach seinem Besuch in Kerala: „In einer größeren Gesprächsrunde erzählten mir Lehrerinnen und Studentinnen ganz begeistert von den sehr positiven Erfahrungen mit Paul und Luisa.“ Besonders herausgehoben wurden ihre vielen individuellen Sprachübungen mit Einzelnen.
Immer waren sie bereit Fragen zu beantworten und bei den Hausaufgaben zu helfen. Auch die Umgangssprache beim Volleyball und Fußball mit ihnen war Deutsch. Ebenso beeindruckend waren die sehr professionell ausgeführten Korrekturen der schriftlichen Texte. Abschließend hielten sie einen Vortrag über typische Fehlerquellen und die richtigen Formulierungen bei Briefen, Berichten usw. Aufgrund dieser sehr positiven Rückmeldungen, die durch Father Jacob im vollen Umfang bestätigt wurden, werde wir versuchen, auch 2025 wieder zwei Abiturienten zu den Deutschkursen von Samhathi zu schicken. Luisa und Paul in einer Mail während der Kurstage: „Wir genießen neben den Unterrichtseinheiten für die etwa 170 Studentinnen und Studenten auch unsere Freizeit, in der wir unter der Woche viel Zeit mit unseren neuen indischen Freunden verbringen oder am Wochenende das Umland erkunden. Besonders gespannt sind wir auf das kurz bevorstehende Onam-Fest, für das wir auch schon traditionelle indische Kleidung gekauft haben.“ Nach Abschluss ihres Einsatzes in den Sprachkursen besuchten die beiden privat noch das ‘goldene Dreieck‘ von Delhi, Agram und Jaipur.
Schenken Sie ihr Medikamente für ein schmerzfreies Wachstum
Sameera ist 13 Jahre alt und leidet an einer seltenen Wachstumsstörung, der familiären hypophosphatämischen Rachitis. Seit Jahren wächst sie kaum noch.
Ihr Vater verdient als Fischer so wenig, dass die Familie am Existenzminimum lebt. Ihre Mutter kämpft mit psychischen Problemen und braucht ständige medizinische Hilfe. Auch die Großeltern sind chronisch krank. Inmitten all der Schwierigkeiten ist ihre kleine Schwester Peeya ein Lichtblick. Nach einer langen Suche wurde Sameeras Krankheit festgestellt: Eine Mutation im Phex-Gen hemmt ihr Wachstum und verursacht Schmerzen. Sie braucht dringend Medikamente, die 60 Euro im Monat kosten. Das überfordert die Familie völlig. Ohne Behandlung drohen Sameera bleibende Schäden, starke Schmerzen und Wachstumsstörungen. Mit der richtigen Therapie kann sie jedoch wachsen, Schmerzen lindern und eine bessere Zukunft haben.
Samhathi Deutschland unterstützt Sameera und ihre Familie in dieser schweren Zeit. Bitte helfen Sie mit! Selbst kleine Spenden können Sameera eine Chance auf ein besseres Leben geben.
Sameeras Reise zur Diagnose war beschwerlich. Am Medizinischen College in Vandanam, Alappuzha, wurde bei ihr nach umfassenden Untersuchungen aufgrund von Schmerzen und Wachstumsverzögerungen diese schwere Form der Rachitis festgestellt. Die Bestätigung der Erkrankung kam nach ihrer Überweisung an das Staatliche Medizinische College in Thiruvananthapuram, wo eine Mutation im Phex-Gen entdeckt wurde. Sowohl die pädiatrische als auch die nephrologische Evaluation bestärkten die Diagnose. Aktuell erhält Sameera regelmäßig Vitamin D und Phosphatsupplemente, doch die Kosten von 5000 Rupien (etwa 60 Euro) pro Monat sind für die Familie untragbar. Sie stehen nun vor der drängenden Herausforderung, wie sie die medizinische Versorgung sicherstellen können, die für Sameeras Wohlbefinden und Entwicklung von entscheidender Bedeutung ist. Die Nachsorge und regelmäßige Termine zur Überwachung ihrer Therapiefortschritte sind unerlässlich. Dann sind die Erfolgsaussichten der Behandlung gut. Bei rechtzeitiger Intervention, einschließlich der richtigen Zugabe von Vitamin D und Phosphat, kann das Wachstum von Sameera verbessert und Knochenschmerzen verringert werden. Ansonsten drohen Kleinwüchsigkeit, Knochendeformitäten und damit verbundene Dauerschmerzen.
Liebe Mitglieder, Paten, Sponsoren und Freunde von Samhathi,
in diesem Jahresbrief berichte ich von unserem Besuch bei Samhathi India in Kerala. Mit „uns“ meine ich Dr. Edris Wedi und mich. Die Reise begann am 28.10.2024. Edris Wedi flog aus Termingründen schon nach sechs Tagen heim, ich fünf Tage später. Hier eine kurze Vorstellung: Dr. Edris Wedi ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Jetzt leitet er eine große Abteilung einer Klinik mit 3000 Beschäftigten in Offenbach. Er engagiert sich für Samhathi seit etwa 25 Jahren, dies war sein sechster Besuch in Kerala. Zusammen mit seiner Frau, der Augenärztin Dr. Charlotte Fischer-Wedi und Dr. Timm Schneider brachte er sich schon im Bereich des Community Based Palliative Care (CBPC) und anderen medizinischen Projekten ein. Beim jetzigen Besuch hatten wir besprochen, dass Edris sich auf diesen Bereich konzentriert und ich mich auf die Deutschkurse im Samhathi Bildungszentrum sowie die Familien des Projekts „My Indian Family“.
Seit einiger Zeit bin ich für die Wartung und Änderungswünsche der Samhathi- Homepage sowie für den News-letter zuständig. Durch einen glücklicher Zufall (oder Fügung?) habe ich meinem Schulkameraden Elmar angeboten, Ihm bei „Samhathi“ unterstützen zu wollen, gerade in dem Augenblick als Martina diese Aufgabe abgeben musste. Als bisheriger Inhaber einer Werbeagentur habe ich zwar immer noch berufliche Aufgaben, jedoch bewundere ich den Einsatz von Elmar und der gesamten Führung und seiner Ziele seit langer Zeit, so dass ich diese zusätzliche Arbeit gerne übernehme.
Für Anregungen oder Kritik habe ich immer ein offenes Ohr.