mein Name ist Manuela Maierbeck und ich bin seit 2023 in der Vorstandschaft von Samhathi, Indien. Ich wohne in der Nähe von Landshut, bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe 2 kleine Kinder. Dazu arbeite ich in Teilzeit als Grundschullehrerin. Ich war das erste Mal 2014 in Indien und konnte vor Ort Einblicke in das Land und in die Arbeit von Samhathi Indien bekommen. Der Besuch dort hat mich sehr beeindruckt. Seitdem bin ich auch MIF Patin und schätze vor allem dieses Projekt.
Schon zum zweiten Mal wurde eine besondere Spende an Samhathi Deutschland übergeben. Maria Maierbeck, langjährige Patin im MIF Programm, nimmt seit gut drei Jahren begeistert Geigenunterricht. Ihre Lehrerin Monika Kobler macht dieser Unterricht so viel Freude, dass sie keine Bezahlung dafür nimmt. Maria wollte aber ihr Glück beim Spiel mit diesem für sie neuen Instrument nicht nur für sich empfinden. So kam sie auf die Idee, das nun „freie Geld“ an ein Projekt von Samhathi zu spenden. Weil auch Monika von dieser Absicht beeindruckt war und sie von Samhathi überzeugt ist, besonders dem Aspekt der Förderung von Mädchen und Frauen, machte sie ebenfalls gemeinsam mit Maria eine großzügige Spende. Mit Elmar Weber, dem Vorsitzenden von Samhathi Deutschland, kamen beide überein, bedürftige Familien im MIF Programm zu unterstützen. Samhathi bedankt sich sehr herzlich für diese wundervolle Idee!
Duschen in der Raummitte ohne Wand, große Teller voll Reiscurry, ein Skorpion im Garten, riesige bunte Blumen, barfuß durch matschigen Urwaldboden laufen, ein Spinnennest hinter dem Badspiegel, Unmengen an Passionsfrüchten – und natürlich die Blumenschaukel während Onam, Affen mit Minibananen füttern, Kühe über die Straße lotsen und sich in einem TukTuk mit gefährlich viel km/h durch den, nunja, klassischen indischen Verkehr schlängeln.
Ich bin nach Kerala gereist, weil ich ein Land mit einer völlig anderen kulturellen Realität kennenlernen wollte. Und genau das hat funktioniert. Ich wurde freundlich aufgenommen, mir wurde viel erklärt, gezeigt und zugänglich gemacht, sodass ich mich schnell orientieren konnte und nie das Gefühl hatte, allein durch die Erfahrung zu stolpern. Auch die Einweisung in meine Aufgaben als Muttersprachlerin im Deutschkurs war klar.
Das Fest Onam war dann einer dieser Tage, an dem man einfach akzeptiert, dass Dinge passieren, die man vorher nicht im Repertoire hatte: Man steht da, bekommt einen schwarzen Punkt auf die Stirn, Henna-tattoos auf die Hand gemalt und plötzlich sitzt man auf einer gigantischen Blumenschaukel, die über den Campus schwingt. Definitiv etwas, das ich nicht vergessen werde.
Beim Essen habe ich schnell festgestellt, dass ,scharf’ in Kerala eine eindeutig andere Bedeutung hat als in Deutschland. Da wurde aber unkompliziert auf mich Rücksicht genommen, sodass ich mildere Varianten bekam und gleichzeitig die Chance hatte, mich Schritt für Schritt an die traditionellen Geschmacksrichtungen heranzutasten. Besteck war für mich anfangs ein kleiner Rettungsanker, aber natürlich habe ich mich auch daran versucht, mit den Händen zu essen, wie es dort üblich ist.
Zwischendurch habe ich mit anderen Mädchen dort Ausflüge in andere Städte unternommen und bin durch Wälder gelaufen, in denen sich die Vegetation nicht unbedingt darum bemüht, Platz für Menschen zu lassen. Zwischen Palmen, Wasserläufen und dichter Flora entsteht schnell ein sehr unmittelbares Naturgefühl – beeindruckend, manchmal auch fordernd. Ich habe Kakaobohnen geerntet, Bananen direkt vom Baum gepflückt und Unmengen an Straßenhunden gekuschelt.
Natürlich gab es auch ein paar Punkte, die herausfordernder waren. Die Arbeitszeiten im Deutschkurs waren sehr lang, teilweise so, dass ich unter der Woche kaum Pausen oder Luft für eigene Unternehmungen hatte. Freizeit hatte ich im Grunde nur am Wochenende, und das hat die Struktur meines Aufenthalts schon stark geprägt. Auch die Arbeit selbst – Hausaufgaben korrigieren, vorgegebene Dialoge einüben usw – war nicht immer besonders abwechslungsreich – viele Abläufe wiederholen sich täglich, und manche Tage liefen eher mechanisch ab. Es war nichts Dramatisches, aber ein Aspekt, der durchaus spürbar war und zu einem realistischen Gesamtbild dazugehört. Immerhin ging ich in der Überzeugung, einigen bei der Überwindung sprachlicher Probleme geholfen zu haben. Auch hoffe ich, dass meine Hinweise zum Leben junger Menschen in Deutschland hilfreich sein werden.
Das Schönste jedoch war: Ich habe Freundinnen gefunden – und wir wissen jetzt schon, dass wir uns hier in Deutschland bald wiedersehen werden. Wir stehen bis heute in Kontakt und ich freue mich wirklich darauf, diese Verbindungen weiterzuführen.
Unterm Strich war die Zeit in Kerala für mich eine liebevolle, lebendige, humorvolle und kulturell unglaublich bereichernde Erfahrung. Eine, die mich überrascht hat, mich oft zum Lachen gebracht hat und die ich immer in Erinnerung behalten werde.
Aurelia Feiner arbeitete im August/September 2025 drei Wochen als Fremdsprachenassistentin in den Deutschkursen der Samhathi Academy in Indien mit. Nach dem Kurs kann in einem der Goethe- Institute in Indien die B2 Sprachprüfung abgelegt werden. Damit ist eine Berufsausbildung in Deutschland möglich. Samhathi hilft auch bei der Vermittlung dieser Ausbildungsstellen. Aurelia Feiner arbeitete sehr engagiert als Muttersprachlerin im Kursprogramm der etwa 200 Studierenden mit, zum Beispiel in Einzelgesprächen auf der Basis von Dialogen, vorgegebenen Gesprächssituationen und Hausaufgaben. Hinzu kam die aufwändige Korrektur schriftlicher Hausaufgaben. Daneben unterrichtete Aurelia Feiner in den einzelnen Klassen und gab im Plenum Vorträge zu typischen Fehlerquellen, Redewendungen und zur Lebenssituation junger Menschen in Deutschland. Gerade diese Informationen aus dem Mund einer Altersgenossin waren besonders wichtig für die zukünftigen Azubis in Deutschland. Samhathi India und Deutschland danken ihr für ihren großen Einsatz!
Besonders erfreulich war die Nachricht aus Indien, dass die beim dortigen Besuch von Elmar Weber und Dr. Edris Wedi im letzten Oktober festgelegten Hilfsmaßnahmen in drei Härtefälle erfolgreich abgeschlossen sind. Die extrem arme Familie von Ajimon, die in einer fast dachlosen Ruine lebte, erhielt eine neue Wellblechhütte als Zuhause. Der Vater ist ein arbeitsloser, da herzkranker, Hilfsarbeiter. Zur Familie gehören neben seiner Frau noch vier Kinder und seine kranke Mutter. Mit dieser neuen Hütte haben sie zumindest eine menschwürdige Unterkunft und Schutz vor Regen und Kälte. Der beidseitig beinamputierter Boban, der mit seinem Bruder und dessen herzkrankem Sohn in einem ärmlichen Häuschen lebt, erhielt ein neues Dach. Ein Sturm hatte 2024 die Hälfte davon weggerissen. Boban, der immer fröhlich und zufrieden wirkt, lebt von den Hilfsmaßnahmen Samhathis und dem Verkauf von Losen der staatlichen Lotterie, maximal etwa drei Euro am Tag. Für Sameera, ein dreizehnjähriges Mädchen mit einem Gendefekt, konnte die richtige medizinische Behandlung organisiert werden, um ihre starke Wachstumsstörung zu überwinden. Dies mag noch 10 Jahre nötig sein. Regelmäßige Untersuchungen und ärztliche Überwachung verbunden mit den richtigen Medikamenten geben ihr die Chance auf ein „normales“ Leben. Leider ist die Familie durch Krankheiten anderer Mitglieder zusätzlich belastet. Auch hier greifen andere Hilfsprogramme von Samhathi.
Neues Dachv.l.n.r: Ortspfarrer, Familie von Ajimon, Mr. Robert, der Bauunternehmer, Father Jacob Paliath
Beinamputierter Boban mit Familie, Sameera mit Eltern und Dr. Edris Wedi, jeweils mit Samhathi-Mitarbeiterinnen
„Hilfe für Indien“, so heißt seit dreißig Jahren das Motto des Vereins Samhathi. 1995 wurde er von der Familie Flüeck aus Oberröhrenbach zusammen mit dem indischen Priester Jacob Paliath gegündet. Der Sitz des indischen Partnervereins ist im Dorf Mararikulam an der Malabarküste des Bundesstaats Kerala, nördlich der Stadt Alappuzha. Bei der Jahresversammlung des Vereins – die gleichzeitig eine kleine Jubiläumsfeier war – erinnerte der Vorsitzende Elmar Weber an die Entwicklungen und Projekte der vergangenen zwei Jahre und der Jahrzehnte davor. Von Anfang an ging es dem Verein Samhathi um das „self-empowerment“, die Unterstützung beim Erlangen eines selbstbestimmten Lebens (Hilfe zur Selbsthilfe). Zwei Wege hatten Priorität: die Organisation der Frauen durch Selbsthilfegruppen und die Bildungsarbeit bei Kindern und Jugendlichen. Hunderte von Selbsthilfegruppen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt, solidarisch Selbstvertrauen entwickelt, gemeinsam Kredite aufgenommen und teilweise kleine Geschäfte gegründet. Nun sind sie selbst in der Lage, unabhängig von Samhathi weiterzumachen. Viele hundert Mädchen und Jungen wurden durch verschiedene Förderprogramme befähigt, hohe Schulabschlüsse zu erlangen, gute Berufe zu ergreifen oder ein Studium zu beginnen. Das ehemalige Mädchenheim ist inzwischen ein modernes Bildungszentrum geworden. Neben Seminaren zur Studien- und Berufsfindung sowie Persönlichkeitsbildung finden dort die mehrmonatigen Sprachkurse in Englisch und Deutsch statt. In nur neun Monaten können die extrem fleißigen und motivierten jungen Studenten und Studentinnen die Prüfung zum Niveau B2 beim Goethe-Institut versuchen. Viele schaffen es sofort, andere in kostenfreien weiteren Versuchen. Fast alle wollen danach in Deutschland eine Ausbildung im Bereich Pflege machen, manche in der Gastronomie und in IT-Berufen. Über 200 von ihnen absolvieren schon eine Ausbildung erfolgreich. Im Moment sind 220 Studierende im Sprachkurs. Zwei junge Damen, die als Mädchen intensiv von Samhathi gefördert worden waren nahmen an der Versammlung teil. Bismi Siyadh arbeitet als gelernte Krankenschwester jetzt in einem Pflegeheim in Heilbronn. Sie ist auch für die Betreuung der jungen Azubis an ihren verschiedenen Einsatzorten verantwortlich. Anila Screenivasan machte gerade ihren Master in Elektrotechnik und Automation an der Hochschule Deggendorf. Nach einem Praktikumsjahr in Dietfurt sucht sie nun eine Anstellung bei einer Firma in Süddeutschland. Beide Frauen berichteten vom unschätzbaren Wert der Bildungsarbeit und Unterstützung durch Samhathi für ihren Lebens- und Berufsweg. In einer Video-Botschaft zum Jubiläum bedankten sich Father Jacob und einige der aktuellen Deutschstudenten für die anhaltende und motivierende Unterstützung durch den deutschen wie auch den österreichischen Partnerverein mit all ihren Paten und Sponsoren. Der Vorsitzende berichtete ausführlich von seinem mehrwöchigen Besuch in Kerala. Er besuchte dabei sehr viele Familien, die durch monatliche Spenden im Programm „My Indian Family“ unterstützt werden. Auch wenn die weltberühmte Marari Beach sehr nahe liegt, gibt es doch viele arme Familien, die nur mit Hilfe aus ihrer Not herauskommen. Seien es traditionelle Fischer, deren Fanggründe immer schlechter werden oder Familien, deren Ernährer durch Unfall, Tod oder Arbeitslosigkeit ausgefallen ist. Er konnte sich von der dringenden Notwendigkeit der Hilfe überzeugen. Von einigen positiven Entwicklungen konnte er auch berichten, da Familien nach Überbrückung der schweren Jahre nun gesicherte Einkünfte und gute Wohnungen haben. Per Videoschalte nahm Dr. Edris Wedi, Chefarzt an einer Klinik in Offenbach und Beirat des Vereins, an der Mitgliederversammlung teil. Auch er berichtete von seinen positiven Eindrücken im Bereich der Versorgung von etwa 300 chronisch Kranken. Anregungen von Seite der deutschen Ärzte seien insgesamt gut umgesetzt worden. Er beabsichtigt, Fortbildung des Personals in Kerala wie auch der Studenten durch Onlineangebote zu unterstützen. Dadurch sollen die jungen Azubis noch besser auf das Leben und die Berufsausbildung in Deutschland vorbereitet werden. Besonders erfreulich war die Nachricht, dass die im letzten Oktober festgelegten Hilfsmaßnahmen in drei Härtefälle erfolgreich abgeschlossen sind. Für einen beinamputierter Mann wurde das zusammengebrochene Hausdach in Stand gesetzt, eine extrem arme Familie, die in einer Ruine lebte, erhielt eine neue Wellblechhütte als Zuhause und ein Mädchen mit einem Gendefekt konnte die richtige medizinische Behandlung organisiert werden, um ihre Wachstumsstörung zu überwinden. Nach einem überzeugenden Finanzbericht durch Petra Hanrieder-Böld und der anschließenden Entlastung der Vorstandschaft wurden alle in ihre Posten (Vorsitzender: Elmar Weber, Stellvertreterin: Manuela Maierbeck, Schatzmeisterin: Petra Hanrieder-Böld, Schriftführerin: Maria Golsch-Weber)wiedergewählt. Zuletzt bedankte sich der Vorsitzende bei allen im Vorstand und Beirat für die geleistete engagierte ehrenamtliche Arbeit. Das Treffen hinterließ bei allen Teilnehmern viele motivierende Eindrücke für die zukünftige Arbeit.
Verabschiedung der jungen Inderinnen Bismi Siyadh und Anila Screenivasan
Vorstandschaft und Gäste (Bismi Siyadh und Anila Screenivasan, Walter Hofffmann / 3.von links)