Abiturienten aus Bayern unterstützen die Deutschkurse der Sprachenschule von Samhathi
Schon im dritten Jahr unterstützen Abiturienten aus Bayern die Deutschkurse der Sprachenschule von Samhathi India. Im August fliegen Matteo Gerkensmeyer und Matthias Loher nach Kerala und arbeiten als Muttersprachler vier Wochen in den Kursen mit. Sie machen praktische Sprachübungen, korrigieren schriftliche Übungen und halten Vorträge über das Leben junger Menschen in Deutschland. Neben der Hilfe beim Erlernen der deutschen Sprache ist dies sicherlich ein ganz wichtiger Teil der Vorbereitung auf die Ausbildung und das Leben in Deutschland. Die ersten zwei Jahrgänge haben ihre dreijährige Ausbildung in Deutschland schon erfolgreich abgeschlossen. Sie bestätigen, wie hilfreich dieser Aspekt der Vorbereitung auch für sie gewesen wäre.
Portrait von Matteo Gerkensmeyer:
Mein Name ist Matteo Gerkensmeyer und ich freue mich sehr darauf, die Schüler beim Deutschlernen zu begleiten und sie bestmöglich zu unterstützen. Es motiviert mich, mein Wissen weiterzugeben und ihnen dabei zu helfen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Besonders schön fände ich es, wenn ich sie nicht nur sprachlich fördern, sondern sie auch inspirieren und ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg neue Perspektiven aufzeigen könnte.
Gleichzeitig freue ich mich sehr auf die Zeit in Indien, da ich gerne neue Kulturen, Traditionen und Menschen kennenlerne. Ich bin überzeugt, dass dieser Austausch für beide Seiten eine wertvolle Erfahrung sein wird und ich dabei nicht nur etwas weitergeben, sondern auch selbst viel lernen kann.
Portrait von Matthias Loher
Hallo zusammen, mein Name ist Matthias Loher, ich bin 20 Jahre alt und komme aus Landshut. Ich habe vor meinem Abitur eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik bei BMW gemacht. Ich werde ab Oktober Elektro- und Informationstechnik an der OTH in Regensburg studieren. Schon immer haben mich andere Kulturen und der Austausch mit Menschen aus verschiedenen Ländern begeistert. Ich freue mich deswegen sehr, über Samhati India meine Deutschkenntnisse und meine Erfahrungen an die Leute vor Ort weiterzugeben. Ich hoffe dabei, die Indische Kultur tiefgründig, so wie sie ist, persönlich kennenzulernen. Danke an Samhati, dass mir hier die Möglichkeit für dieses tolle Programm gegeben wird.
mein Name ist Manuela Maierbeck und ich bin seit 2023 in der Vorstandschaft von Samhathi, Indien. Ich wohne in der Nähe von Landshut, bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe 2 kleine Kinder. Dazu arbeite ich in Teilzeit als Grundschullehrerin. Ich war das erste Mal 2014 in Indien und konnte vor Ort Einblicke in das Land und in die Arbeit von Samhathi Indien bekommen. Der Besuch dort hat mich sehr beeindruckt. Seitdem bin ich auch MIF Patin und schätze vor allem dieses Projekt.
Schon zum zweiten Mal wurde eine besondere Spende an Samhathi Deutschland übergeben. Maria Maierbeck, langjährige Patin im MIF Programm, nimmt seit gut drei Jahren begeistert Geigenunterricht. Ihre Lehrerin Monika Kobler macht dieser Unterricht so viel Freude, dass sie keine Bezahlung dafür nimmt. Maria wollte aber ihr Glück beim Spiel mit diesem für sie neuen Instrument nicht nur für sich empfinden. So kam sie auf die Idee, das nun „freie Geld“ an ein Projekt von Samhathi zu spenden. Weil auch Monika von dieser Absicht beeindruckt war und sie von Samhathi überzeugt ist, besonders dem Aspekt der Förderung von Mädchen und Frauen, machte sie ebenfalls gemeinsam mit Maria eine großzügige Spende. Mit Elmar Weber, dem Vorsitzenden von Samhathi Deutschland, kamen beide überein, bedürftige Familien im MIF Programm zu unterstützen. Samhathi bedankt sich sehr herzlich für diese wundervolle Idee!
Duschen in der Raummitte ohne Wand, große Teller voll Reiscurry, ein Skorpion im Garten, riesige bunte Blumen, barfuß durch matschigen Urwaldboden laufen, ein Spinnennest hinter dem Badspiegel, Unmengen an Passionsfrüchten – und natürlich die Blumenschaukel während Onam, Affen mit Minibananen füttern, Kühe über die Straße lotsen und sich in einem TukTuk mit gefährlich viel km/h durch den, nunja, klassischen indischen Verkehr schlängeln.
Ich bin nach Kerala gereist, weil ich ein Land mit einer völlig anderen kulturellen Realität kennenlernen wollte. Und genau das hat funktioniert. Ich wurde freundlich aufgenommen, mir wurde viel erklärt, gezeigt und zugänglich gemacht, sodass ich mich schnell orientieren konnte und nie das Gefühl hatte, allein durch die Erfahrung zu stolpern. Auch die Einweisung in meine Aufgaben als Muttersprachlerin im Deutschkurs war klar.
Das Fest Onam war dann einer dieser Tage, an dem man einfach akzeptiert, dass Dinge passieren, die man vorher nicht im Repertoire hatte: Man steht da, bekommt einen schwarzen Punkt auf die Stirn, Henna-tattoos auf die Hand gemalt und plötzlich sitzt man auf einer gigantischen Blumenschaukel, die über den Campus schwingt. Definitiv etwas, das ich nicht vergessen werde.
Beim Essen habe ich schnell festgestellt, dass ,scharf’ in Kerala eine eindeutig andere Bedeutung hat als in Deutschland. Da wurde aber unkompliziert auf mich Rücksicht genommen, sodass ich mildere Varianten bekam und gleichzeitig die Chance hatte, mich Schritt für Schritt an die traditionellen Geschmacksrichtungen heranzutasten. Besteck war für mich anfangs ein kleiner Rettungsanker, aber natürlich habe ich mich auch daran versucht, mit den Händen zu essen, wie es dort üblich ist.
Zwischendurch habe ich mit anderen Mädchen dort Ausflüge in andere Städte unternommen und bin durch Wälder gelaufen, in denen sich die Vegetation nicht unbedingt darum bemüht, Platz für Menschen zu lassen. Zwischen Palmen, Wasserläufen und dichter Flora entsteht schnell ein sehr unmittelbares Naturgefühl – beeindruckend, manchmal auch fordernd. Ich habe Kakaobohnen geerntet, Bananen direkt vom Baum gepflückt und Unmengen an Straßenhunden gekuschelt.
Natürlich gab es auch ein paar Punkte, die herausfordernder waren. Die Arbeitszeiten im Deutschkurs waren sehr lang, teilweise so, dass ich unter der Woche kaum Pausen oder Luft für eigene Unternehmungen hatte. Freizeit hatte ich im Grunde nur am Wochenende, und das hat die Struktur meines Aufenthalts schon stark geprägt. Auch die Arbeit selbst – Hausaufgaben korrigieren, vorgegebene Dialoge einüben usw – war nicht immer besonders abwechslungsreich – viele Abläufe wiederholen sich täglich, und manche Tage liefen eher mechanisch ab. Es war nichts Dramatisches, aber ein Aspekt, der durchaus spürbar war und zu einem realistischen Gesamtbild dazugehört. Immerhin ging ich in der Überzeugung, einigen bei der Überwindung sprachlicher Probleme geholfen zu haben. Auch hoffe ich, dass meine Hinweise zum Leben junger Menschen in Deutschland hilfreich sein werden.
Das Schönste jedoch war: Ich habe Freundinnen gefunden – und wir wissen jetzt schon, dass wir uns hier in Deutschland bald wiedersehen werden. Wir stehen bis heute in Kontakt und ich freue mich wirklich darauf, diese Verbindungen weiterzuführen.
Unterm Strich war die Zeit in Kerala für mich eine liebevolle, lebendige, humorvolle und kulturell unglaublich bereichernde Erfahrung. Eine, die mich überrascht hat, mich oft zum Lachen gebracht hat und die ich immer in Erinnerung behalten werde.
Aurelia Feiner arbeitete im August/September 2025 drei Wochen als Fremdsprachenassistentin in den Deutschkursen der Samhathi Academy in Indien mit. Nach dem Kurs kann in einem der Goethe- Institute in Indien die B2 Sprachprüfung abgelegt werden. Damit ist eine Berufsausbildung in Deutschland möglich. Samhathi hilft auch bei der Vermittlung dieser Ausbildungsstellen. Aurelia Feiner arbeitete sehr engagiert als Muttersprachlerin im Kursprogramm der etwa 200 Studierenden mit, zum Beispiel in Einzelgesprächen auf der Basis von Dialogen, vorgegebenen Gesprächssituationen und Hausaufgaben. Hinzu kam die aufwändige Korrektur schriftlicher Hausaufgaben. Daneben unterrichtete Aurelia Feiner in den einzelnen Klassen und gab im Plenum Vorträge zu typischen Fehlerquellen, Redewendungen und zur Lebenssituation junger Menschen in Deutschland. Gerade diese Informationen aus dem Mund einer Altersgenossin waren besonders wichtig für die zukünftigen Azubis in Deutschland. Samhathi India und Deutschland danken ihr für ihren großen Einsatz!
Besonders erfreulich war die Nachricht aus Indien, dass die beim dortigen Besuch von Elmar Weber und Dr. Edris Wedi im letzten Oktober festgelegten Hilfsmaßnahmen in drei Härtefälle erfolgreich abgeschlossen sind. Die extrem arme Familie von Ajimon, die in einer fast dachlosen Ruine lebte, erhielt eine neue Wellblechhütte als Zuhause. Der Vater ist ein arbeitsloser, da herzkranker, Hilfsarbeiter. Zur Familie gehören neben seiner Frau noch vier Kinder und seine kranke Mutter. Mit dieser neuen Hütte haben sie zumindest eine menschwürdige Unterkunft und Schutz vor Regen und Kälte. Der beidseitig beinamputierter Boban, der mit seinem Bruder und dessen herzkrankem Sohn in einem ärmlichen Häuschen lebt, erhielt ein neues Dach. Ein Sturm hatte 2024 die Hälfte davon weggerissen. Boban, der immer fröhlich und zufrieden wirkt, lebt von den Hilfsmaßnahmen Samhathis und dem Verkauf von Losen der staatlichen Lotterie, maximal etwa drei Euro am Tag. Für Sameera, ein dreizehnjähriges Mädchen mit einem Gendefekt, konnte die richtige medizinische Behandlung organisiert werden, um ihre starke Wachstumsstörung zu überwinden. Dies mag noch 10 Jahre nötig sein. Regelmäßige Untersuchungen und ärztliche Überwachung verbunden mit den richtigen Medikamenten geben ihr die Chance auf ein „normales“ Leben. Leider ist die Familie durch Krankheiten anderer Mitglieder zusätzlich belastet. Auch hier greifen andere Hilfsprogramme von Samhathi.
Neues Dachv.l.n.r: Ortspfarrer, Familie von Ajimon, Mr. Robert, der Bauunternehmer, Father Jacob Paliath
Beinamputierter Boban mit Familie, Sameera mit Eltern und Dr. Edris Wedi, jeweils mit Samhathi-Mitarbeiterinnen